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AKTUELL: Die Uraufführung des Marionettenstücks SCHLEMIHL PETERS MERKWÜRDIGI GSCHICHT ist Geschichte !

Am 4. und am 28. Mai 2014 habe ich die zweite und die zweitletzte Aufführung der Gondiswiler Marionettentruppe mitverfolgt, die zweite aus der ersten Zuschauerreihe, die zweitletzte hinter dem Vorhang im Spielerraum. Hier erst habe ich die grosse und zeitlich präzise wie ein Uhrwerk ablaufende Arbeit der ganzen Crew ermessen und würdigen gelernt. Ich danke allen für ihren unermüdlichen Einsatz und den nicht nachlassenden Spieleifer, allen voran Rösli Merz, die wegen Erkrankung einer Spielerin die Seite wechseln musste und als Regisseurin UND Spielerin eine anspruchsvolle Doppelaufgabe versah.


Das Marionetten-Team: Hintere Reihe von links: Urs Mumenthaler, Diana Meyer, Ruth Güdel, René Merz; Mitte: Rösli Merz (l.), Doreth Zemp (r.); vordere Reihe von links: Jasmin Hämmerli, Evelyne Häberli (mit Peter), Theres Bracher (mit dem Grauen)


Für mich bedeutete diese Arbeit ein erst- und einmaliges Erlebnis mit dem Medium Marionetten. Ich glaube, die Inszenierung darf als ein Erfolg bezeichnet werden, und ich werde sie noch lange in lebendiger Erinnerung behalten.

Hier der Bericht von Elsbeth Schär im Unter-Emmentaler vom 6. Mai 2014

Hier geht's zur Schlemihl-Leseprobe (Theaterverlag Elgg)



Und das ist mein Bericht über das Stück und seine Entstehung:

DER AUFTRAG: Ein Stück für die Marionettenbühne

 

Letzten Herbst fragte mich Rösli Merz von der Gondiswiler Marionettentruppe, ob ich ein Marionettenstück in Mundart schreiben könnte, das dann im Mai 2014 aufgeführt würde.

Nach einigem Suchen stiess ich auf einen Stoff, den ich gelegentlich im Unterricht behandelt hatte und von dem ich glaubte, er eigne sich für  die Marionettenbühne. Rösli, welche bei diesem Stück die Regie übernehmen wird, las das Buch und war rasch einverstanden.

 

 

DIE VORLAGE: ein Büchlein, das es in sich hat

 

Peter Schlemihls wundersame Geschichte von Adelbert von Chamisso, entstanden 1813, publiziert 1814 – also vor genau 200 Jahren!

 




DER INHALT: sieben Geschichten in einer


1. Das Märchen vom Mann, der dem Teufel seinen Schatten verkauft, ihm aber keinesfalls seine Seele überlassen will. So bleibt er schattenlos bis zuletzt. – Ein Märchen-Happy-End ist das nicht!




2. Das Märchen vom Mann mit dem unerschöpflichen Geldsack, der ihm aber nicht hilft, den Makel seiner Schattenlosigkeit zu kompensieren. So wirft er den Geldsack zuletzt in einen Abgrund und entschliesst sich, sein Leben mit Arbeit zu verdienen.

3. Das Märchen vom Mann mit den Siebenmeilenstiefeln: Sie erlauben ihm das Reisen und Forschen auf den Kontinenten der alten und der neuen Welt, doch schützen sie ihn nicht vor Unfällen.



4. Eine Erzählung über Freundschaft und Liebe, bedroht durch gemeinen Betrug, und leider mit Erfolg! So dass als Ausweg nur die Einsamkeit bleibt: Peter Schlemihl wird zum „reisenden Einsiedler“.

5. Eine Satire über einen Kapitalisten, der seinen Reichtum gleichfalls dem Teufel verdankt. Sein Name: Thomas John, in meiner Version: Glen Coreman, Rohstoffhändler.


6. Eine kühne Vorwegnahme der Forschungsreiseberichte, mit welchen der Geograph und Botaniker Chamisso später in die Annalen der Naturgeschichte einging.



7. Und schliesslich, trotz aller Romantizismen, ein lebensnaher Mini-Entwicklungsroman, der zirka dreissig Lebensjahre der Hauptfigur umspannt und zeigt, wie sich ein naiver Jungspund zum besonnenen, leicht resignierten, aber nicht verbitterten älteren Gelehrten wandelt.